Falls du es verpasst hast…

Das Internet ist schnell, manchmal zu schnell. Manches, was gestern ein Hype war, ist heute kaum noch wiederzufinden. Deshalb folgt unter dieser Rubrik der ehrgeizige Versuch: Halten wir es fest! Was waren die Themen der Woche? Was waren die Aufreger? Naturgemäß kann die Auswahl nur subjektiv sein.

22. November 2017: Youtube sperrt den Account des Zentrums für politische Schönheit. zieht sich Ärger zu und gibt den Account noch am gleichen Tag wieder frei.  Netzpolitik.org berichtet  am 22. November und mit einem Update. Anlass war ein Video, das für den Bau einer “Außenstelle” des Holocaust-Mahnmals in Thüringen in unmittelbarer Nachbarschaft des prominenten Rechtsaußen Björn Höcke warb. Der AfD-Politiker hatte im Januar das Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnet.

13. bis 20. Juni 2017: Antisemitismus ist das Thema der Woche: Die Bild-Zeitung macht die von ARTE und WDR in Auftrag gegebene, und nicht ausgestrahlte Dokumentation “Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa” zum  Thema, zeigt sie am 13. Juni von 0 Uhr bis Mitternacht und löst damit eine breite Diskussion aus. Warum wurde die Dokumentation bestellt und nicht gezeigt? Geht es um Zensur oder Selbstzensur? Der Spiegel kommt zu einer ganz anderen Antwort: Er erkennt schwere handwerkliche Fehler. Mehrere Behauptungen seien unbelegt. Schon einige Wochen im April vorher hatte ein Fall von Antisemitismus in Berlin für Schlagzeilen gesorgt: Ein 14-jähriger hatte in Berlin-Friedenau eine Schule verlassen infolge von antisemitischen Beleidigungen und tätlichen Angriffen. Spiegel , Tagesspiegel und viele weitere Medien hatten über den Fall berichtet.
Update a, 10.07.: Die ARD  strahlt eine bearbeitete Dokumentation schließlich doch aus – allerdings mit einem ergänzenden Faktencheck und einer anschließenden Diskussion in der Sendung “Maischberger”.

Frühjahr 2017: Hm. Wann genau war das eigentlich? Zum internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar oder doch etwas später? Shahak Shapira präsentiert Selfies von Jugendlichen, die am Holocaust-Mahnmal in Berlin entstanden sind, auf einer Website – Fotos, die fröhliche Jugendliche zeigen, die sich ausgelassen zwischen den grauen Betonblöcken selbst inszenieren, die das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte zeigen. Shahak Shapira kontrastiert die gedankenlosen Fotos mit dem unfassbaren Leid, an das dieses Mahnmal erinnert und nennt sein virtuelles Kunstwerk provozierend Yolocaust. Im Netz geblieben ist eine Erinnerung an diese Aktion unter der Adresse yolocaust.de.

Dezember 2016: Verdrehte Tatsachen, diffamierende Äußerungen, purer Hass – vor allem auf Facebook ist die Wahrung der “Netiquette” – des wertschätzenden Umgangs miteinander – zunehmend ein Fremdwort. Aggressiven Angreifer “beißen” Wohlmeinende regelrecht weg. Viele wenden sich angewidert ab. Hannes Ley, Kommunikationsberater aus Hamburg, setzt den Hashtag #ichbinhier dagegen und sammelt Mitstreiter, die gemeinsam gegen Hatespeech einschreiten, wenn wieder einmal jemand weit übers Ziel hinaus schießt. Die Gruppe  wird im Juni 2017 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Spezial ausgezeichnet.