Falls du es verpasst hast…

Das Internet ist schnell, manchmal zu schnell. Manches, was gestern ein Hype war, ist heute kaum noch wiederzufinden. Deshalb folgt unter dieser Rubrik der ehrgeizige Versuch: Halten wir es fest! Was waren die Themen der Woche? Was waren die Aufreger? Naturgemäß kann die Auswahl nur subjektiv sein.

29. August 2018: 

Facebook startet den Rollout für Facebook Watch – zunächst für Android-Nutzer, ein paar Tage später dürfen iOS-Nutzer die Youtube-Konkurrenz erwarten. Dies dürfte einmal mehr Auswirkungen auf den Newsfeed haben, berichtet der Medienjournalist Dennis Horn im WDR-Blog Digitalistan am 29. August 2018.

 18. März 2018:

Mit einem Bericht der New York Times am 18. März 2018 gerät Facebook unter Druck: Persönliche Daten von Facebook-Nutzern aus aller Welt sollen gezielt von der Firma Cambridge Analytica genutzt worden sein, um die Wahl von Donald Trump und den Ausgang der Brexit-Abstimmung zu beeinflussen. Der britische Guardian hatte bereits im Oktober 2017 über Gerüchte und Spekulationen berichtet. Beide Zeitungen haben nicht locker gelassen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg muss schließlich vor dem US-amerikanischen Kongress um Vertrauen werben. Im Netz formiert sich die Forderung #deleteFacebook – die allerdings nur vergleichsweise geringe Wirkung zeigt.

16. Februar 2018: Die Bild-Zeitung berichtet am 16. Februar über eine vermeintliche „Neue Schmutzkampagne bei der SPD“ und fällt dabei auf einen Prank der Titanic herein. Die Titanic lüftet das Geheimnis am 21. Februar („Nein, es versucht jemand, mit Copy +Paste die journalistische Qualität der ‚Bild‘ zu überprüfen.“) und unter dem hashtag #miomiogate entlädt sich auf Twitter umgehend reichlich Schadenfreude und Häme. Das Medien-Fachportal Meedia bemüht sich gleich am 21. Februar um eine neutrale Aufklärung und gibt einen Überblick über die Reaktionen auf Twitter. Unterdessen rechtfertigt sich Bild-Chef Julian Reichelt und zieht sich neue Häme unter dem hashtag #mimimigate zu. Der frühere Spiegel-Reporter Cordt Schnibben rät in einem Tweet süffisant: „Eine Bitte an alle Journalistenschulen: alle vier Tweets, mit denen dieser Chefredakteur versucht, sich und seine Redaktion vollends in die Scheisse zu tweeten, unbedingt als Musterbeispiel für selbstmörderisches Krisenmanagement in den Lehrplan aufnehmen.“ Scharfe Kritik übt Journalismus-Professor Volker Lilienthal am 21.02.2018 an der Bild-Zeitung. Am Ende wird die Frage bleiben: Werden seriöse Medien auch in Zukunft sicher sein können, dass sie nicht auf gezielt lancierte Falsch-Informationen hereinfallen? Bild darf nicht wirklich auf Mitleid hoffen: Am 19. Februar 2018 hatte Bild die SPD hereingelegt und Hund Lima rechtzeitig zur GroKo-Abstimmung als SPD-Mitglied angemeldet.

28. Dezember 2017: Twitter-Nachrichten werden nicht mehr komplett archiviert. Kaum zu glauben, aber immerhin aus seriöser Quelle berichtet: Twitter-Nachrichten wurden seit 2010 offiziell gespeichert und für die Nachwelt konserviert und zwar angeblich alle jemals veröffentlichten Tweets seit 2006. Die Mühe hat sich die amerikanische Kongressbibliothek gemacht. Doch damit ist es nun vorbei, berichtet das Portal Werben und Verkaufen. In Zukunft werden speicherwürdige Nachrichten nur noch Themen- oder Event-bezogen archiviert.

22. November 2017: Youtube sperrt den Account des Zentrums für politische Schönheit, zieht sich Ärger zu und gibt den Account noch am gleichen Tag wieder frei.  Netzpolitik.org berichtet  am 22. November und mit einem Update. Anlass war ein Video, das für den Bau einer „Außenstelle“ des Holocaust-Mahnmals in Thüringen in unmittelbarer Nachbarschaft des prominenten Rechtsaußen Björn Höcke warb. Der AfD-Politiker hatte im Januar das Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnet.

13. bis 20. Juni 2017: Antisemitismus ist das Thema der Woche: Die Bild-Zeitung macht die von ARTE und WDR in Auftrag gegebene, und nicht ausgestrahlte Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ zum  Thema, zeigt sie am 13. Juni von 0 Uhr bis Mitternacht und löst damit eine breite Diskussion aus. Warum wurde die Dokumentation bestellt und nicht gezeigt? Geht es um Zensur oder Selbstzensur? Der Spiegel kommt zu einer ganz anderen Antwort: Er erkennt schwere handwerkliche Fehler. Mehrere Behauptungen seien unbelegt. Schon einige Wochen im April vorher hatte ein Fall von Antisemitismus in Berlin für Schlagzeilen gesorgt: Ein 14-jähriger hatte in Berlin-Friedenau eine Schule verlassen infolge von antisemitischen Beleidigungen und tätlichen Angriffen. Spiegel , Tagesspiegel und viele weitere Medien hatten über den Fall berichtet.
Update a, 10.07.: Die ARD  strahlt eine bearbeitete Dokumentation schließlich doch aus – allerdings mit einem ergänzenden Faktencheck und einer anschließenden Diskussion in der Sendung „Maischberger“.

Frühjahr 2017: Hm. Wann genau war das eigentlich? Zum internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar oder doch etwas später? Shahak Shapira präsentiert Selfies von Jugendlichen, die am Holocaust-Mahnmal in Berlin entstanden sind, auf einer Website – Fotos, die fröhliche Jugendliche zeigen, die sich ausgelassen zwischen den grauen Betonblöcken selbst inszenieren, die das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte zeigen. Shahak Shapira kontrastiert die gedankenlosen Fotos mit dem unfassbaren Leid, an das dieses Mahnmal erinnert und nennt sein virtuelles Kunstwerk provozierend Yolocaust. Im Netz geblieben ist eine Erinnerung an diese Aktion unter der Adresse yolocaust.de.

Dezember 2016: Verdrehte Tatsachen, diffamierende Äußerungen, purer Hass – vor allem auf Facebook ist die Wahrung der „Netiquette“ – des wertschätzenden Umgangs miteinander – zunehmend ein Fremdwort. Aggressiven Angreifer „beißen“ Wohlmeinende regelrecht weg. Viele wenden sich angewidert ab. Hannes Ley, Kommunikationsberater aus Hamburg, setzt den Hashtag #ichbinhier dagegen und sammelt Mitstreiter, die gemeinsam gegen Hatespeech einschreiten, wenn wieder einmal jemand weit übers Ziel hinaus schießt. Die Gruppe  wird im Juni 2017 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Spezial ausgezeichnet.